MTB Offroad – Biken in Bosnien-Herzegowina

Biken ist eine prima Alternative zum Laufen und da ich beim Laufen immer nach spannenden Strecken suche, ist das beim Biken nicht anders. Im September war ich für einige Tage mit meinem Bruder in Bosnien-Herzegowina, um die Gegend auf Bike-tauglichkeit zu prüfen. Jetzt verbinden die meisten Menschen nördlich der Alpen dieses Land im Wesentlichen mit dem Krieg vor 20 Jahren, doch gibt es dort auch viel Natur und wilde Gegend. Da wir dort Verwandtschaft haben, haben wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden.

Nicht weit hinter der kroatischen Grenze auf der Höhe der bekannten Touristenstadt Split liegt hinter einem Gebirgszug der dinarischen Alpen das „Livanjsko Polje“ oder zu deutsch Livno-Tal. Das Tal liegt auf etwa 700 Höhenmeter während sich die umgebenden Berge zwischen 1.500 und 2.000 Meter in die Höhe strecken. Unsere Strecke für den ersten Tag führte uns vom Ortsteil Suhaća in Richtung des Cincar (2.006 Meter) vorbei am Glamoć Tal wieder zurück nach Livno.

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Die ersten 8 Kilometer haben uns mit 500 Höhenmetern eine gute Stunde in Beschlag genommen. Da es im September in der Gegend noch recht warm sein kann, war der Weg durch diverse Ziegenherden und über sehr steinige Wege kein Zuckerschlecken.

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Auf der Höhe von ca. 1.250 Metern gibt es eine Hütte, die vom Wanderverein Livno betrieben wird. Dort sind oft die sehr aktiven Wanderer aus der Umgebung versammelt, die viel in der Gegend unterwegs sind und auch Wanderwege markieren. Eine Pause kam uns gerade recht und an einer netten Einladung zu einem Essen und einem guten Schluck Wein kommt man nicht vorbei.

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Bald nach verlassen der Hütte zeigte sich, dass sich der quälende Aufstieg gelohnt hatte. Die nächsten fünfzig Kilometer sollten durch die Wildnis gehen. Zwar haben wir keinen der dort lebenden Bären oder Wölfe getroffen. Wohl aber eine ganze Herde Wildpferde. Die Wildpferde von Livno sind bekannt, aber das wir eine ganze Herde treffen – und mit unseren Rädern hindurchfahren, damit habe ich nicht gerechnet.

Wildpferde in Livno

Wildpferde in Livno

Mit dem Rad durch die Herde

Mit dem Rad durch die Herde

Eine Herde Wildpferde in Livno (Cincar)

Eine Herde Wildpferde in Livno (Cincar)

Nach ca. 15 Kilometern – die Fahrt wird hier ein langes Stück recht unaufgeregt flach – schaut man in das Glamoc Tal. Hier wohnten bis zum Krieg in den 1990er Jahren vorwiegend Serben. Die serbischen Dörfer sind aus der Höhe gut zu sehen, ebenso ihr verlassener Zustand. Untermalt wird das ganze sehr deutlich von auffälligen Schildern, die vor Minen warnen. Viele Gebiete in Bosnien-Herzegowina sind noch vermint. Manchmal bleiben die Schilder aber auch bloß stehen, damit ein Wald oder ein Dorf einfach nicht betreten wird.

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Blick vom Cincar in verlassene serbische Dörfer

Blick vom Cincar in verlassene serbische Dörfer

Neben spektakulären Ausblicken gab es einige spektakuläre Abfahrten. Vom höchsten Punkt unserer Tour ging es auf einer Strecke von ca. 9 Kilometern etwa 800 Höhenmeter abwärts. Das ganze über eine steinige Piste – eine wahre Herausforderung für Mann und Maschine. Zum Abschluss unserer ca. 70 Kilometer langen Tour mussten wir aus einem Tal heraus in das Livno Tal herein. Dazu wurden noch einmal ordentlich Höhenmeter geschrubbt. Belohnt wurden diese durch eine weitere rasende Abfahrt. Diesmal über reinen Asphalt über wenig befahrene Straßen von ca. 1.200 Höhenmeter hinter ins Tal. Da in Bosnien Straßenverkehrsregeln auch eher als Empfehlungen verstanden werden, war die ein- oder andere brenzlige Situation geeignet, das Adrenalin nochmals richtig ins Blut zu treiben.

Nach der Tour konnten wir abends bei großartigem Käse aus lokaler Herstellung und einem gemütlichen Glas Wein die 2.593 gesammelten Höhenmeter bestens Revue passieren lassen. Und ein wildes Tier haben wir auch noch gesehen.