Geschichte des Laufens – vom Jagen zum Volkslauf

Wir haben von unserem Designer Fabian Greiser exklusiv die Geschichte des Laufens illustrieren lassen. Heraus kam dabei dieses

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wunderschöne Bild, das ihr unter www.laufgeschenke.de als hochwertigen Kunstdruck für 32 Euro erwerben könnt. Es erzählt die Geschichte des Laufens in 13 spannenden Kapiteln. Dabei steht der Weg zu den heute so beliebten 42,195 Kilometern im Mittelpunkt.

Laufen besitzt eine ganz eigene Faszination. Eine Ursache ist sicherlich, dass diese Art der Fortbewegung uns modernen Menschen mit unseren frühesten Vorfahren verbindet. Erst das ausdauernde Laufen auf zwei Beinen hat das Überleben unserer Vorfahren gesichert und sie dazu befähigt, sich über den gesamten Globus zu verteilen. Außerdem ist Laufen ein Akt der Autonomie. Wenn wir als Kleinkinder laufen lernen, gewinnen wir zum ersten Mal in unserem Leben ein enormes Maß an Selbständigkeit. Dies gilt auch für uns Erwachsene: Auto, Zug und Flugzeug sind nur „vermittelte Fortbewegung“, mit körperlicher Bewegung haben sie nur indirekt zu tun. Alleine das Laufen bringt uns selbst aus eigener Kraft an das gewünschte Ziel. Die Geschichte des Laufens ermöglicht uns einen faszinierenden Blick auf die Geschichte der gesamten Menschheit.

Auf der Jagd und auf der Flucht

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Bis zur Entstehung früher Kulturen war das Laufen eine absolute Notwendigkeit.  Nahrungsbeschaffung, das Entdecken neuer Lebensräume, Flucht – nichts funktionierte ohne die ausdauernde Anwendung unseres Laufapparats. Ein Jäger und Sammler vor 10.000 bis 5.000 Jahren legte am Tag gut und gerne einen Marathon hin. Sicher war er dabei nicht so ehrgeizig wie manch‘ ambitionierter Freizeitsportler heute, denn Laufen war für ihn „nur“ Mittel zum Zweck. Aber es gab auch damals gute und weniger gute Läufer mit entsprechendem Jagderfolg und Ansehen. Malereien auf Höhlenwänden zeugen davon, dass der Lauf zur Jagd ein bewusster und wichtiger Bestandteil im Leben eines Steinzeitmenschen war.

Läufer halten Reiche zusammen

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Mit der Entstehung der ersten Stadtkulturen und damit der Zivilisation vereinfachte sich die Nahrungsbeschaffung, der Spaß am Laufen aber blieb. Das Spielerische und der Wettkampf sind dem Menschen in die Wiege gelegt und so wundert es nicht, dass die ersten Zivilisationen sich auch im Laufen maßen. Hinzu kommt, dass die aufwändige Nahrungssuche durch einen anderen Grund ersetzt wurde: Kommunikation. Von den Griechen bis zu den Inka sind Boten-Netzwerke nachgewiesen, innerhalb derer Läufer große Distanzen zurücklegten. Nur so war die Verwaltbarkeit weiter Gebiete gesichert. Alexander der Große bediente sich mit seinen Landvermessern, den sogenannten Bematistai, eines solchen Netzwerkes, die bei der Vermessung seines Reiches eine Genauigkeit von über 98 % erreichten.

Freut euch, wir haben gesiegt

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Es ist ein Allgemeinplatz, dass die Griechen uns ein sportliches Vorbild waren. Der Marathonlauf der modernen Olympischen Spiele gehörte allerdings nicht zum Programm im klassischen Hellas. Die längste Distanz im alten Griechenland waren Läufe über 24 Stadien – eine Entfernung, die etwa 4,5 Kilometern entspricht. Dennoch stammt die Legende des Marathonlaufes genau aus dieser Zeit. Historische Wahrheit ist es, dass im Jahre 490 vor Christus die Griechen das überlegene Heer des persischen König Darius schlagen konnten. Der Legende nach brachte ein Bote die Kunde des Ausgangs dieser Schlacht aus Marathon ins ca. 40 Kilometer entfernt gelegene Athen, verkündete  „Freut Euch, wir haben gesiegt!“ und verstarb. Schon die verschiedenen Namen des Läufers, die in der Überlieferungstradition erwähnt werden, zeigen den mythischen Charakter dieser Geschichte. Heute wird meist von Pheidippides gesprochen, ein Name, den auch Herodot erwähnte und der mühelos die Strecke von Athen nach Sparta – immerhin 246 Kilometer – in zwei Tagen schaffte. Weiterhin sind die Namen Thersippos und Eukles im Gespräch. Das können wir aber getrost den Altertumsforschern überlassen. Wer den gesamten Kontext der Legende im Detail studieren möchte, dem empfehle ich Dr. Michael Jungs „Marathon und Palataiai“ (Göttingen 2006).

Entertainment für den Adel

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Im späten 18. Jahrhundert vollzog das Laufen langsam einen Wandel vom funktionellen Botendienst über den Schaulauf zum sportlich motivierten Wettkampf. Dabei bezog sich das „Wett“laufen tatsächlich auf Wetten, die vom Adel auf den schnellsten Läufer abgeschlossen wurden. Verschiedene Adelshäuser schickten dabei ihre Läufer ins Rennen. Zunehmend konnten die Läufer selber damit Geld verdienen und so teils zu beträchtlichem Wohlstand kommen. Das 19. Jahrhundert mit seinen tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen brachte aus diesen Schauläufen dann in England die „Pedestrians“ hervor. Die Pedestrians waren die erste Volkssportbewegung, bei der Läufer mit ihren Leistungen Geld verdienten. Zu dieser Bewegung gehörte der britische Offizier Robert (Bob) Allardice Barclay (1779-1854). Mit seiner Leistung aus dem Jahre 1809, 1.000 Meilen in 1.000 Stunden bewältigt zu haben, war er ein entscheidende Geburtshelfer des sportlichen Langlaufs. Er bekam für diese gewonnene Wette 1.000 Guineas – ein für die damalige Zeit beachtlicher Betrag.

Sechs-Tage-Rennen mit hohen Preisgeldern

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Preisgelder, so wie wir sie heute von professionellen Veranstaltungen kennen, etablierten sich ebenfalls in dieser Zeit. Aus den Pedestrians entwickelten sich in den USA die „Sechs-Tage-Rennen“, bei denen es darum ging, in sechs Tagen möglichst weit zu laufen. Der Brite George Littlewood bekam beispielweise für seine bemerkenswerte Leistung von 1003,8 zurückgelegten Kilometern ein Preisgeld von 6.000 Dollar. Sein Landsmann Rowell kassierte 1879 gar die unfassbare Summe von 30.000 US Dollar bei einer Veranstaltung im Madison Square Garden.

Die Wiedergeburt von Olympia

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Aus diesen Anfängen entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhundert der moderne Amateursport. Bereits in den 1870 Jahren wurden Rennen ausgetragen, die sowohl einen kommerziellen Charakter aufwiesen als auch unserer heutigen Marathondistanz recht nahe kamen. Die Idee lag nahe, bei den ersten olympischen Spielen der Neuzeit (Athen 1896) einen Langlauf in die Liste der Wettbewerbe aufzunehmen. Bei der Wiederbelebung der olympische Idee durch Baron Pierre de Coubertin lag die Betonung auf dem Amateurcharakter, um ein Ereignis für die breite Masse zu schaffen. Jeder bezahlte Sportler oder als „lebensbezahlter Lehrer für Leibesübung“ tätige Profi war von vornherein ausgeschlossen. Da zu dieser Zeit die Erforschung der Antike ebenfalls hoch im Kurs stand, fand sich schnell eine Interessensgruppe, die das antike Ideal mit der modernen Idee verbinden wollte. „Wenn das Organisationskomitee der Olympiade in Athen geneigt wäre, in das Wettkampfprogramm den Lauf aufzunehmen, der die ruhmreiche Tat des Soldaten von Marathon wiederbelebt, würde ich gerne den Preis stiften“, ließ der französische Altertumsforscher Michael Breal verkünden.

Der erste Marathon – Sieger der Neuzeit

Der 10. April 1896 muss als Geburtsstunde des modernen Marathonlaufes gelten. Spiridon Louis gewann an diesem Tag für seine griechische Heimat nach 02:58:50 Stunden den ersten modernen Marathonlauf . Sein Name ist bis heute mit diesem Wettkampf verbunden. Zwar galt damals noch nicht die inzwischen legendäre Länge von 42,195 Kilometer als Standard, die Leistung Spiridons schmälert das jedoch nicht. Die Normierung erfolgte zwölf Jahre später bei den Olympischen Spielen in London. Bis dahin waren Marathonläufe bereits im allgemeinen Bewusstsein etabliert. In den USA erreichte der Boston Marathon – über die Distanz von 24,75 Meilen – hohe Teilnehmerzahlen und ein hohes Maß an Professionalisierung.

Der Mann mit dem Hammer

Die heute als Standard festgelegten 42,195 Kilometer entsprangen der Streckenführung bei den Olympischen Spielen im Sommer 1908 in London. Dort wurde es notwendig, die Strecke von 25 Meilen auf 26 Meilen und 385 Yards zu verlängern, damit die königliche Familie den Einlauf der Sieger von der Terrasse des Schloss Windsor beiwohnen konnte. Den Zeitgenossen blieb dieser Lauf weniger durch die Festlegung der Meilen und Yards auf adeligen Wunsch als vielmehr durch seinen dramatischen Endkampf in Erinnerung. Am Ende des Wettkampfes lag Dorando Pietri in Führung. Der Italiener hatte einen satten Vorsprung und nur noch die Endrunde zu bewältigen. Auf dieser ereilte ihn das heute als „Mann mit dem Hammer“ bekannte Phänomen der Glukose-Unterversorgung. Pietri benötigte fremde Hilfe und musste mehrfach gestützt werden. Zwar kam er als erster ins Ziel, doch die Jury bewertete diese Unterstützung als unzulässig und disqualifizierte Pietri. Dadurch wurde der zweitplatzierte John Hayes zum Sieger erklärt. Zwischen dem Italiener und dem Amerikaner kam es in den Folgejahren immer wieder zu Revanchen, die auf sehr großes Publikumsinteresse stießen. Natürlich konnten diese Rennen nur über die in London gelaufene Distanz ausgetragen werden. Ein wahrer Boom von Marathonrennen war die Folge und die gelaufene Distanz von 42,195 Kilometern wurde zur üblichen Distanz auf diesen Veranstaltungen. Im Jahr 1921 legte ein internationales Komitee diese Distanz schließlich als Norm für die Olympischen Spiele 1924 fest.

Seither sind sie das Maß aller Dinge.

Artikel von Dubro Dolic