Schreie in der Zielzone

Moosen am Simssee, Samstag 19.10.2013 um 16:38 Uhr. Vor guten zehn Minuten habe ich mich den berüchtigten “Eckinger Berg“ hochgequält. Dort hebt sich dass Alpenvorland auf kurzer Distanz vom Simssee ab und erzeugt so eine Steigung von fast 20%. Wie ich es schaffe, ein Lauftempo von unter sechs Minuten auf diesem Kilometer hinzulegen – ich weiß es nicht. Oder doch: es ist zum einen der gute Verlauf des Wettbewerbs bis hier her. Kein Kilometer hat mich mehr als fünf Minuten gekostet, in der Regel habe ich deutlich weniger benötigt. Zum anderen beflügelt mich die Hoffnung. Vor dem Lauf habe mir Chancen ausgerechnet, unter einer Stunde und 45 Minuten ins Ziel zu kommen. Das habe ich sicher erreicht. Jetzt treibt mir die Hoffnung, nahe an die Schallmauer von 1:40 heranzukommen, die Kraft in meine Waden. Der letzte Höhenmeter ist geschafft. Jetzt geht es leicht abschüssig ins Ziel. Meine Waden verkrampfen leicht. Trotzdem, ich schalte mein Hirn aus und setzte zum Endspurt an. Ein Mitläufer – gerade noch vor mir laufend – hatte sich auf einen gemütlichen Zieleinlauf eingestellt, als er von mir überholt wird. Ich weiss, dass es für mich jetzt auf jede Sekunde ankommt und gebe alles – und hechte mit lautem Gebrüll ins Ziel. Archaisch anmutend aber durchströmt von Endorphinen entsteht dieses Zielfoto.

Zielkamera der Tiger Timing

Wenn man überlegt, wie viel Zeit ein Läufer in die Vorbereitung eines Wettbewerbs investiert und wie viel man dafür arbeitet, immer noch ein wenig schneller zu werden – sich selber zu besiegen, dann ist die Freude verständlich angesichts eines gelungenen Laufes. Es ist nicht das “ich bin besser als die anderen“ sondern das “ich habe etwas erreicht“ was in einem Lauf so unmittelbar ausstrahlt.

Noch ein paar Worte zu den Rahmenbedingungen. Der Simssee Halbmarathon bietet tolle Voraussetzungen für einen hervorragenden Lauf. Dass Panorama ist einfach wunderbar, einige kleinere Steigungen und der Eckinger Berg bieten spannende Herausforderungen und die Organisation ist gelungen. In den Orten stehen viele Zuschauer und an Musik fehlt es nicht. Das Wetter ist zu dieser Jahreszeit meist genial, so dass man die Sicht auf Berge und den See entsprechend genießen kann.

Mit ca. 700 Teilnehmen, darunter so prominente wie die ehemalige Europameisterin Simone Mortier, ist die Veranstaltung inzwischen nicht mehr ganz klein. Zum Saisonabschluss sicherlich ein Höhepunkt.

Zu guter Letzt vergebe ich noch zwölf Punkte an die App, die mich begleitet hat. Die Messung war äußerst exakt und ich bin an jedem Kilometer sehr genau über meine aktuelle Rundenzeit informiert worden. Run.GPS hat tolle Arbeit geleistet.

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