„Gemeinsam mehr bewegen“ – Arnes Chip

3, 2, 1…meins. Es hat geklappt. Und sogar mit der vom Auktionshaus so plakativ beworbenen Spannung. Als ich Anfang November bei Facebook zufällig über die Aktion des Frankfurt Marathons zum Verkauf von Arnes Meisterchip stolperte, war es nur eine Flause, die sich in meinen Kopf einnistete. Vielleicht war es auch meine Prägung im katholischen Milieu und die damit verbundene Faszination für Reliquien, die dazu führte, dass ich einfach mal ein Gebot abgab. Warum auch nicht? Einmal etwas in den Händen halten, auf das für einen kurzen Moment das Licht des Ruhmes gefallen war – wer will das nicht.

Messchip von Arne Gabius

Der Mika-Timing Chip, mit dem der neue deutsche Marathonrekord am 25.10.2015 gemessen wurde.

Und wie das so ist: steigert man erst einmal mit, dann wird es schnell zum Selbstläufer. Mir passte das in dem Fall ganz gut, denn der Erlös geht an die Caritas in Frankfurt. Unterstützt wird die Aktion „Gemeinsam mehr Bewegen“. Das Thema Bewegen ist für laufgeschenke zentral und mit dem Unternehmen spenden wir eh jedes Jahr einen kleinen Beitrag für eine sinnvolle Sache. Somit konnte ich hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

…und was passiert damit nun?

Zunächst will ich natürlich unbedingt mindestens einmal mit dem Chip an einem Wettbewerb teilnehmen. Wer weiß, vielleicht bringt es ja Glück. Da ich im Moment aber verletzungsbedingt noch nicht in der richtigen Form bin, leihe ich den Chip auch gerne aus. Wer also einen Glücksbringer für seinen Lauf braucht, kann sich gerne melden. Gegen eine kleine Spende, geht der Chip auf die Reise.

Vielleicht hat ein Museum Interesse oder ein Nachfolger von Arne möchte ihm irgendwann Konkurrenz machen und dazu die gleiche Messsonde verwenden. Wer weiß…wir schauen mal. Die Ideen gehen mir beim Laufen nie aus.

Marathonsymposium in Ludwigsburg – Treffen mit den Schnellen

Am Ende war es doch die versammelte Lauf-Prominenz, die den Akzent des Abends setzte. Wer hätte aber auch damit gerechnet, die schnellste deutsche Marathonläuferin, den schnellsten Marathonläufer und als Zuckerl auch noch den schnellsten Treppenläufer auf einer Bühne zu sehen. Und das nicht in Berlin sondern in der würtembergischen Provinz.

Weiterlesen

Geduld – des Läufers wichtigste Tugend

Die letzten zwei Monate waren hart: Zwangspause auf Grund einer Verletzung und diverser Virenattacken. Eine derart lange Pause hatte ich während meiner aktiven Laufzeit noch nicht. Jeder Versuch, die Pause zu verkürzen hat letztendlich zu einem neuen Rückfall geführt. So ließ ich es am Ende gut sein und gab mich der Krankheit hin.

Nun ist alles vorbei und der Körper gehorcht mir wieder. Das ein Comeback im Fitness aber vor allem eines benötigt, wissen wir alle: Geduld. Mein erstes Training nach der Ruhepause ergab folgendes:

Weiterlesen

…danach wird es öde… – Interview mit Michael Mankus, Ultraläufer

Ob alle höchsten Gipfel der Bundesländer, 5.000 Kilometer im Jahr oder Watt-Moor und Heide – Michael Mankus (44) ist leidenschaftlicher Ultraläufer. Dabei ist er kein Profi, er liebt nur sein Hobby. Angefangen hat er erst mit vierzig, trotzdem hat er schon viele Kilometer unter den Sohlen – allein sieben offizielle Ultraläufe in den letzten eineinhalb Jahren. Im Juli gewann er seinen ersten Ultra: Ausgerechnet den Watt Moor Heide Ultrallauf. Und das, obwohl er Berge lieber mag als das platte Land.

Michael Mankus: ein Hamburger in den Bergen hat es schwer

Wir haben mit Michael im 25hours Hotel in Hamburg getroffen. Dort treffen sich mittwochs immer die Tide Runner zu einem gemütlichen Lauftreff. Vorher konnten wir etwas mit ihm plaudern.

Laufgeschenke: Wie hat es bei Dir mit dem Laufen angefangen?

Michael Mankus: Ich habe mit vierzig Jahren das Thaiboxen angefangen, weil ich immer schon mal einen Kampfsport machen wollte. Alleine hab ich das nie geregelt bekommen, also bin ich gemeinsam mit Bekannten aus dem erlebnisorientierten St. Pauli Umfeld ins Training gegangen. Die waren alle circa zwanzig Jahre jünger als ich. Ich durfte dann recht schnell feststellen, dass ich konditionell an meine Grenzen komme. So hab ich dann einfach nebenbei ein bisschen mit dem Laufen angefangen damit ich da besser mithalten kann.

Das Thaiboxen Training ist super anspruchsvoll und macht voll Spaß, nur das Warm-up haut mich einfach schon um. Ich war nach zehn Minuten Seilspringen schon ordentlich kaputt.

Ich hab irgendwann festgestellt, dass mir das Laufen schon ganz gut gefällt, war aber noch unambitioniert. Im Frühjahr 2011 bei einem Besuch in den USA sah ich dann das erste Mal Leute die Berge hochrennen und dachte „Die sind ja ganz schön bescheuert“, hab  aber auch gemerkt: „da hab ich auch Bock drauf“. So fing das dann an.

Das Thaiboxen hab ich dann irgendwann aufgegeben, weil mir das einfach zu verletzungsintensiv und zu hart war. Ich hatte relativ oft `ne angeditschte Rippe.

Am Anfang stand das Thaiboxen

Laufgeschenke: Dein erster Halbmarathon war dann aber noch ein klassischer Cityrun?

Micha: Nö. Das war im Alstertal in Hamburg, also kein Cityrun sondern auch ein bisschen über – naja, nicht gerade Berge aber schon durch den Wald und so. Also das Alstertal in Hamburg ist viel Natur.

Laufgeschenke: Tendenziell magst Du also eher Natur als Stadt?

Micha: Genau!

In diesem Jahr (2014) bin ich aber doch den Hamburg Marathon als Staffelläufer fürs Laufwerk mitgelaufen. Es war dann nicht so schlimm, wie ich vorher befürchtet hatte. Ich würde da immer noch keine 60 Euro für bezahlen, aber wenn mich jemand einlädt, könnte ich das unter Umständen noch mal machen.

Michael Mankus Gesicht total

Laufgeschenke: Was reizt dich so an der Natur?

Micha (denkt nach): Das ich meine Ruhe habe, glaube ich. Dass ich mich nur mit mir beschäftige.

Laufgeschenke: Und wenn draußen, eher Berge oder eher Watt?

Micha: Nach meinem letzten Ultra in den Bergen (Lugano Scenic Trail, Anm. d. Red.) wo das nicht so richtig gut lief, fand ich das Watt schon ganz geil. Ich hab mich echt gefreut, dass das mal ein flacher Ultra war. Die anderen bisher waren alle bergig. Grundsätzlich habe ich es aber eigentlich lieber mal hoch und runter – das ist schon abwechslungsreicher.

Hier oben im Norden ist die Landschaft relativ langweilig. Wenn Leute das Gegenteil behaupten: das stimmt einfach nicht! Für fünf Kilometer ist es schön und danach wird‘s echt öde – nicht spektakulär. Da hab ich lieber Berge, Berge sind schöner.

„..danach wird es öde.“

Laufgeschenke: wegen der hoch-runter Abwechslung?

Micha: Genau! Man sieht auch mehr. Hier ist es halt flach und sieht überall gleich aus.

Laufgeschenke: Bist Du als Kind noch nicht so viel gelaufen oder hattest du immer schon einen gewissen Bewegungsdrang?

Micha: Ich hab klassisch Fußball gespielt und immer mal wieder ein bisschen Sport gemacht. Hin- und wieder bin ich etwas gelaufen, aber eher so phasenweise. Ich konnte dann mit vierzig gleich wieder acht Kilometer am Stück laufen ohne dass ich tot umgefallen bin.

Laufgeschenke: Du bist also losgelaufen und gleich – Zack – acht Kilometer?

Micha: Das ging schon immer ganz gut.

Laufgeschenke: Vom Zeitpunkt als Du wieder regelmäßig gelaufen bist bis zu deinem ersten richtigen Lauf, wie lange dauerte das dann?

Micha: Der erste richtige Lauf ist der Halbmarathon?

Laufgeschenke: Ja sagen wir der Halbmarathon. Ich meine, ein Halbmarathon ist schon ordentlich. Die meisten machen erst einmal fünf Kilometer oder so etwas.

Micha: Ein Jahr? Ja, ich glaube es hat ein Jahr gedauert, ziemlich genau ein Jahr.

Laufgeschenke: War das ein strenges Training oder bist Du eher nach Gefühl gelaufen?

Michael Mankus schaut entspannt: inzwischen ist Laufen seine größte Leidenschaft

Micha: Nee, eher gefühlt. Ich bin dann aber auch gleich unter zwei Stunden gelaufen. Aber da war ich anschließend auch wirklich kaputt.

Laufgeschenke: Was ist Dir im Moment beim Laufen am wichtigsten?

Micha: Immer noch, dass ich meine Ruhe hab.

Laufgeschenke: Hast du sonst so viel Stress?

Micha: Nein, aber ich neig dazu, schnell Stress zu fühlen. Und wenn ich zwei Stunden laufe, dann denk ich nur ans Laufen. Also das ist dann schon ganz gut.

Laufgeschenke: Keine Pläne zur Weltverbesserung oder so?

Micha: Nee (lacht) – nee, beim laufen nicht …bisher bin ich fast nur am laufen beim Laufen.

Letzte Woche bin ich tatsächlich mal wieder Musik gelaufen. Das war das erste Mal seit vier Jahren überhaupt. Ich fand das ganz abgefahren. Ich hab Rap gehört, das ist ein bisschen anstrengend weil man da während des Laufens immer mitrappen muss.

Es hat aber auf jeden Fall wieder Spaß gemacht mit der Musik. In der Stadt macht das doch mehr Sinn als ich dachte.

Musik oder Ruhe?

Laufgeschenke: Warum?

Micha: Es ist ja eh laut, da kann ich auch meinen eigenen Krach machen.

Laufgeschenke: Tendenziell in der Stadt mit Musik und draußen ohne?

Micha: Joah. Das war wie gesagt das erste Mal seit vier Jahren. Da muss ich noch mal schauen.

Laufgeschenke: Jetzt gibt’s ja Leute die sagen „Laufen ist ungesund“. Was sagst du so jemandem?

Micha: Ja das ist Quatsch. Also wer mir nach einem Ultralauf sagt, dass das bestimmt nicht gesund ist, dem gebe ich Recht. Aber das Training dahin ist auf jeden Fall gesund. Klar, dass hundert Kilometer am Stück an dem Tag selber erstmal nicht gesund sind.

Michael Mankus an der Alster

In Hamburg zuhause, in den Bergen unterwegs.

Laufgeschenke: Was für Reaktionen bekommst Du sonst so auf Dein Laufpensum. Für einen Freizeitsportler ist das ja schon sehr ambitioniert?

Micha: Die meisten wundern sich. Wundern sich und halten das n’büschn für verrückt. Vor allem Leute, die mich noch von früher kennen wo ich doch mehr auf feiern mit einem leichten Hang zu synthetischen Partydrogen aus war.

Die meisten finden das dann aber auch voll gut. Ich hab gerade in letzter Zeit gemerkt, dass sehr viele Leute angefixt sind. Die holen sich dann Tipps und fangen auch an zu laufen. Gerade so aus dem älteren Freundeskreis. Mit vierzig haben einige einfach kein Bock mehr, jedes Wochenende durchzudrehen. Die Zeit muss aber dennoch gut gefüllt werden. Irgendwas muss ja an die Stelle treten. Laufen finden glaub ich viele ganz gut.

Laufgeschenke: Inzwischen bist du ja quasi schon beratend tätig bei Laufwerk…

Micha: …ja, und im gesamten Freundeskreis.

Laufgeschenke: Echt, im Freundeskreis auch?

Laufgeschenke: Ja. Wenn ich dann doch mal auf eine Party gehe, fragen mich viele Leute aus.

Laufgeschenke: Hast du das Gefühl, es wird mehr mit dem Laufen?

Micha: Ja. Ja, deutlich.

Laufgeschenke: Was rätst du so jemandem der noch kein Ultra gelaufen ist und vielleicht noch nicht einmal einen Halbmarathon und doch irgendwie losrennen will?

Tipps für Anfänger

Micha: Der soll halt erstmal laufen. Zwei Mal die Woche, so dass er Spaß hat. Am Anfang soll er sich nicht kaputt laufen. Am besten so viel laufen, dass er am Ende noch könnte. Den Spaß sollte er sich fürs nächste Mal aufheben. Man sollte es langsam angehen, sich selbst da reinfühlen. Wirklich zwei Mal die Woche weil es sonst nichts bringt. Wichtig ist es, nicht zu übertreiben. Wenn Du zu hart einsteigst, ist die Motivation schnell weg.

Laufgeschenke: Ausrüstung? Irgendwelche wichtigen Sachen?

Micha: Ein richtiges paar Schuhe…und wenn man wirklich Anfänger ist, soll man mit seinen normalen Schuhen zwei oder drei Mal laufen. Wenn man dann merkt, dass man Spaß daran hat, sollte man sich gute Schuhe kaufen. Der Rest ist eher egal.

Es wird zum Teil überbewertet und hängt auch ein bisschen vom Geldbeutel ab. Außer den Schuhen find ich nix besonderes als Pflichtausrüstung.

Laufgeschenke: App?

Micha: Inzwischen ja Strava. Strava unterstützt alle gängigen Geräte von Garmin, Suunto, Polar und so. Strava hat so kleine Gimmicks. Man kann bestimmte Strecken einstellen und sich auf einer Rangliste beobachten und so etwas. Ich benutze die nicht am Smartphone sondern am Computer.

Außerdem führe ich meine Runkeeper Statistik in diesem Jahr noch zu Ende. Danach mache ich dann nur noch Strava.

Laufgeschenke: Aber das Aufzeichnen macht Dir schon Spaß, oder?

Micha: Ja, mach ich immer.

Laufgeschenke: Was gefällt dir daran am besten?

Micha: Das man gucken kann, was man geschafft hat (lacht). „When it’s not on Strava it’s not happened”…Quatsch.

Laufgeschenke: Was sagen die engeren Freunde zu dem ganzen Gelaufe? Das ist ja schon mehr als eine Stunde die Woche?

Micha: Die sozialen Kontakte sind auf jeden Fall ganz klar weniger geworden. Das ist nicht zu leugnen. Die finden das glaub ich einfach Schade, dass sie mich nicht mehr so oft sehen. Ich habe auch einige die jetzt energisch mitlaufen. Die sehe ich dann wieder öfter. Wer mich sehen will muss mit mir laufen.

Laufgeschenke: Wir essen gerade so leckere Sachen hier. Ist Dir Ernährung wichtig?

Was isst ein Läufer?

Micha: Am Anfang  hab ich ganz normal weiter gegessen. Dann hab ich drauf geachtet, mehr Gemüse zu essen, nicht das billigste Fleisch und so weiter. Früher war ich mal länger Veganer. Das mache ich jetzt seit ungefähr einem Jahr auch wieder ohne dabei katholisch zu sein – ich trink auch schon mal einen Milchkaffee wenn‘s keine Sojamilch gibt. Das kommt eigentlich automatisch, dass man diese anderen Seiten rund um das Laufen noch optimieren möchte.

Ich glaube, das muss kein Dogma sein. Viele Leute laufen ja auch, damit sie essen können was sie wollen. Das finde ich eigentlich auch einen ganz guten Ansatz. In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren möchte ich meine persönliche Leistung noch ausbauen. Dazu gehört auch die richtige Ernährung. Danach achte ich wahrscheinlich darauf, dass ich die Leistung nicht einbricht. Aber das ist eher so eine Entwicklung. Dazu lese ich nicht hundert Ernährungsberater sondern versuche einfach Gemüse zu variieren und mich einigermaßen gesund zu ernähren.

Laufgeschenke: Lesen, gutes Thema. Hast Du einen Buchtipp? Welche Bücher zum Thema haben Dich in jüngster Zeit am meisten beeindruckt?

Das muss Rocken...auch am Brocken

Das muss Rocken…auch am Brocken

Micha: Ich lese gerade von Chrissie Wellington, der Triathlethin Ein Leben ohne Grenzen  . Die finde ich sehr beeindruckend. Das Buch  Eat & Run: Mein ungewöhnlicher Weg als veganer Ultramarathon-Läufer an die Weltspitze  von Scott Jurek ist auch ganz interessant.

Ich glaube, alle die über das Laufen schreiben, schreiben auch viel Quatsch. Zumindest schreiben sie viele Dinge, die nur für sie passen. Man kann sich aber immer auch Sachen herauspicken. Zum Beispiel „Born to run“. Das ist eigentlich ein esoterisches Laufbuch. Ich finde trotzdem ganz viele interessante Sachen darin. Da stehen Dinge drin, die kann mal ruhig mal ausprobieren.

Das lustigste Buch ist auf jeden Fall Trans-Amerika  von Tom McNab. Da kann man sich garnichts rauspicken aber es ist das beste Buch zum Lesen. Es geht um irgendein Rennen in den Dreißigern von der Westküste an die Ostküste in den USA. Koksende deutsche Nazis laufen auch mit.

Laufgeschenke: Wenn Du bis 55 noch die Leistung steigern willst, was machst Du dann bis 70?

Micha: Die Leistung so langsam wie möglich abbauen. Das mach ich aber nicht bis siebzig, das mach ich, bis ich tot umfalle – am liebsten.

Laufgeschenke: Hast Du Dir bis dahin noch irgendwelche Ziele gesteckt? Was willst Du in Deinem Hobby noch unbedingt erreichen?

Mountain View – oder: wie gehe ich die Bergwelt an?

Micha: Einen Marathon unter drei Stunden laufen. Das ist aber wirklich das einzige Ziel, das mit der Zeit verbunden ist. Western States ist natürlich ein Traum, ein hundert Meilen Rennen in den USA. Da muss man in Europa einen Qualifikationslauf bestehen. Eigentlich wollte ich das dieses Jahr im Oktober machen, angemeldet bin ich bereits. Die Qualifikation ist ein Hundert-Meiler in den italienischen Alpen. Der Lugano Scenic Trail im Frühjahr hat mich aber überzeugt, das Vorhaben wahrscheinlich um ein Jahr zu verschieben. So etwas muss besser geplant werden. Ich muss vorher anreisen und mich an die Höhenmetern gewöhnen. Das klappt von Hamburg aus nicht, so einfach mal eben 2.000 Höhenmeter hochzurennen. Da hab ich ganz schön gelitten dieses Jahr, auf jeden Fall. Ich musste alle zweihundert Meter anhalten und Luft schnappen.

Michael Mankus vor einem Bergsee

Man gibt dann nur nicht auf, weil es keine Alternative gibt. Also kann man auch weiter machen. Suse, eine Freundin von mir, hat einen Ultra gemacht: 80 Kilometer,  5.000 Höhenmeter. Sie wollte so oft aufgeben, aber was soll sie machen? Die Bergwacht rufen „holt mich ab“? Sie ist dann übrigens doch noch vierte geworden.

Das ist halt der Nachteil an Hamburg. Du hast wirklich keine Berge in der Nähe. Das Nächste ist der Harz, der ist aber nicht vergleichbar mit den Alpen.

Laufgeschenke: Aber es ist doch nicht die reine Höhe? Luft bekommt man da oben doch auch noch.

Micha: So ab 1.500 Meter merkt man das doch. Ich bin zwei Tage nach dem Scenic Trail mit dem Fahrrad die Alpen hochgefahren – das ging wunderbar. Wenn man ambitionierter wird, funktioniert es ohne Planung einfach nicht mehr. Wenn man dann wenig Zeit und wenig Geld hat und erst einen Tag vorher anreist, wird man nicht viel reißen können.

Laufgeschenke: Deine Empfehlung lautet also: Bergläufe nur mit vorheriger Akklimatisation?

Micha: Bei Läufen über 1.500 Meter sollte man auf jeden Fall zwei bis drei Tage vorher anreisen und da oben etwas rumwandern.

Laufgeschenke: War das Deine schlimmste Erfahrung beim Laufen, dieser Berg Trail?

Micha: Nö, so schlimm war das dann auch nicht. Richtig schlimm war noch nichts.

Laufgeschenke: Also so ein Motivationsloch hattest Du noch nicht? Bist Du noch nie aufgestanden und hast gedacht: „Warum mach ich das eigentlich?“

Micha: Es ist schon zäh manchmal.

Laufgeschenke: Was machst Du dann, damit es weiter geht?

Micha: Das weiß ich nicht. Es geht halt weiter.

Laufgeschenke: Einfach laufen?

Micha: Ja, also wenn ich dann nicht laufen gehen würde, bekäme ich noch schlechtere Laune.

Wer mich treffen will muss laufen. Mit den Tide Runners

Wer mich treffen will muss laufen. Mit den Tide Runners

Wenn man gerade einen Ultra gelaufen ist und trainiert dann weiter kann das schon unverschämt anstrengend und zäh werden. Das nervt schon. Aber so eine richtig schlimme Erfahrung hab ich noch nicht gemacht.

Raus aus dem Tal

Laufgeschenke: Du brauchst also keinen Motivator, kein Ziel? Dir ist das Laufen an sich Motivation genug?

Micha: Ja, genau. Es gibt es eigentlich keinen Motivator. Und es gibt keine Alternative.

Laufgeschenke: Kommst Du mit den Läufertypen die man allenthalben so trifft – im Internet oder auch real – klar oder sind das für Dich alles eher Freaks?

Micha: Die meisten sind ja eher etwas langweilig. Ich glaube Läufer unterscheiden sich nicht viel von normalen Leuten – sie laufen halt mehr.

Laufgeschenke: Sie laufen ja nicht nur mehr. Jemand, der sich abends vor den Fernseher setzt ist ja doch von der mentalen Einstellung her anders drauf als ein Läufer. Jemand der sich nach so einem Bürotag sagt, „ach, jetzt geh ich noch mal `ne Stunde laufen“, das finden viele Menschen sicherlich ein bisschen komisch, oder?

Micha: Das sind einfach Gewohnheiten. Ich finde es inzwischen komisch, wenn man sich zwei Stunden vor den Fernseher setzt. Total bekloppt, gibt eh nur Mist und es tut dir nicht gut. Also wenn einer sagt ich sei verrückt, weil ich zwölf Stunden in der Woche laufe und der schaut zwölf Stunden in er Woche fern, dann find ich den auf jeden Fall deutlich verrückter.

Michael Mankus im Winter

Laufgeschenke: Was ist Dein Motto, was Du Läufern mitgeben wollen würdest?

Micha: Ich glaub an dieses Stammgerede von Läufern nicht. Es soll jeder machen was er will und was gut für ihn ist. Was ich nicht verstehe, sind diese arroganten Läufer die beleidigt sind, wenn man sie Jogger nennt oder so. Wer läuft ist ein Läufer, egal wie lang oder wie oft.

 

Asics Outrun the Sun – run like the sun

Kurzmitteilung

Das ist mal eine lässige Herausforderung.

Einmal zu Fuß den Mont Blanc umrunden und dabei schneller als die Sonne sein. Natürlich ist es geschickt, so ein Unterfangen am 21. Juni stattfinden zu lassen. Und so hat Ascis am längsten Tag des Jahres zwei Teams ins Rennen geschickt, um zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang einmal das Massiv des Mont Blancs zu umrunden.

Läufer vor Bergpanorama beim Asics Outrun the sun
Die beiden Teams bestanden aus den besten Trailläufern, die aufzutreiben sind. Asics wollte seinen Schuhen das beste Abverlangen und hat vier wahre Meister in die Schuhe gesteckt. Ob sie es geschafft haben, schneller als die Sonne zu laufen? Und wer waren überhaupt diese Laufkünstler? Hier der ausführliche Bericht:
Achim Achilles Bericht zu Asics Outrun the sun

4 Wochen – 2 Marathons – 1 Krampf

Es ist 2014, ich laufe seit dreieinhalb Jahren regelmäßig und in diesem Jahr habe ich mir für die Frühjahressaison zwei Marathons vorgenommen. Am 06.04. fand der Zürich Marathon in (aha) Zürich statt, vier Wochen später – am 04. Mai – der Haspa Marathon in Hamburg. Wir haben in Zürich und in Hamburg Freunde, also beste Gelegenheiten, die nicht ungenutzt verstreichen sollen.
Fazit: Vorweg das Fazit – beide Marathons waren super, meine Vorbereitung war auch gut und: es ist möglich so kurz hintereinander zwei Marathons zu laufen. Warum auch nicht.
Weiterlesen

Das Laufjahr – Tierischer Rückblick

Das Laufjahr neigt sich dem Ende zu. Der November war still und mental widme ich mich der Trainingsvorbereitung. Ab Dezember geht es langsam wieder los.

Eine gute Gelegenheit, sich der vergangenen Saison zuzuwenden, um die Ereignisse aus läuferischer Sicht Revue passieren zu lassen. Neben den sportlichen Ereignissen ist mir von meinen vielen Trainings in diesem Jahr eines ganz besonders hängen geblieben: ich habe unheimlich viele Tiere gesehen.

Eröffnet hat den Reigen der besonderen Sichtungen ein kleiner Fuchs im Frühjahr, als ich in der Nähe von Bad Soden trainierte. Dort, in den ausgedehnten Hängen des Taunus, schleicht so einiges rum. Dieser kleine Fuchs aber saß am Waldesrand und hat mir beim joggen zugeschaut. Ich bin ruhig weiter gelaufen, aber dieser Anblick hat sich mir besonders eingeprägt. Im weiteren Verlauf des Jahres sind mir noch zwei Füchse begegnet. Einer in Rosenheim in den sehr frühen Morgenstunden. Er machte sich gleich auf die Socken ins Feld, als er mich wahrgenommen hatte. Ein weiterer konnte nicht weglaufen – er lag tot auf dem Weg.

Toter Fuchs

 

Keine Bilder habe ich vom zahlreichen Rotwild, dass mir (so wie jedem anderen Läufer wahrscheinlich auch) ganzjährig begegnet ist. Davon sind mir einige Begegnungen in Erinnerung geblieben: ein Reh hatte sich recht weit aus dem Wald herausgewagt und graßte im Vorgarten eines Hauses. Als ich ankam wollte es fliehen wobei der Fluchtweg durch den Gartenzaun versperrt war. Es bekam Panik und sprang im letzten Moment in hohem Bogen an mir vorbei. Zwei weiteren Rehen bin ich regelmäßig an der selben Stelle um ungefähr derselben Uhrzeit in Rosenheim begegnet. Alte Freunde sozusagen.

Silberreiher

 

Meine Haupttrainingsstrecke führt am Inn entlang. Dort sind einige spektakuläre Tiere zu sehen. Inzwischen recht häufig ist der in den vergangenen Jahren hier ansässig gewordene Silberreiher. Die Reiher stehen oft am Wegesrand und achten nur auf ihre potenzielle Beute. An Ihnen vorbei zu laufen finde ich faszinieren: zunächst sieht man ihr Profil von der Seite. Während man an ihnen vorbei läuft, scheinen sie zwischendurch komplett unsichtbar zu werden, da sie von vorne betrachtet sehr schmal fast vor dem Hintergrund verschwinden.

Und natürlich gibt es am Inn inzwischen wieder Biber. Die sind nicht leicht zu sehen – ich hatte in diesem Jahr zwei Mal das Vergnügen. Sehr frühe Läufe vor sechs Uhr haben mir diesen Spaß vergönnt. Die scheuen Tiere sind sehr schwer in der freien Natur zu beobachten. Ich konnte einem Biber (ich glaube, es war jedesmal der selbe) beim Holz sammeln zuschauen.

Ähnlich selten und auch recht spektakulär waren zwei Begegnungen auf Spiekeroog. Dort habe ich am Westende der Insel sonnende Robben beobachten können. Leider habe ich auch hier ein verendetes Tier gefunden. Eine junge Robbe lag aufgedunsen am Strand. kein schöner Anblick aber auch das gehört dazu.

Schlange

 

Ein ganz kleines bischen unruhig war ich bei einem Lauf in Bosnien-Herzegowina. Nachdem ich über eine Schlange während des Laufens drüber gehüpft war, war ich nicht ganz sicher, ob ich ab des Weges nicht auf eine weitere drauftreten würde. Die können auch mal giftig sein. Trotzdem war es ein hervorragender Lauf durch das Livno Tal bei schönster Sonne.

Natürlich habe ich noch jede Menge Hunde, Katzen, Vögel (ein Pirol war dabei) und was-weiß-ich-nicht-alles gesehen. Der Blick in unsere Natur ist für mich eines der echten Highlights des Laufens. Daher laufe ich auch eher außerhalb der Städte oder in deren ökologischen Nischen. Ich bin gespannt, was mir dort in der kommenden Saison begegnen wird.

Warum ich kein Story Running brauche

runtastic hat etwas Neues heraus gebracht: Story Running: Man verwendet die Laufapp runtastic, lädt sich eine Story herunter (zahlt ca. einen Euro dafür) und läuft los. Die Story begleitet den Lauf und ist auf das Lauferlebnis abgestimmt.

Dass es ein ganz eigener Effekt ist, kann ich mir gut vorstellen. Vor einiger Zeit habe ich beim Laufen (wann sonst) das Hörspiel „Säulen der Erde“ von Ken Follet gehört. Als einmal reitende Ritter zu einer Verfolgungsjagd ansetzten, wurde ich instinktiv schneller.

Damals habe ich auch darüber nachgedacht, so etwas zu professionalisieren und für das Laufen bereit zu stellen. Aber – wer ist die Zielgruppe?

Ich laufe, um zu entspannen oder zu trainieren. Zumindest, um der üblichen Hektik des Jobs etc. für eine Weile zu entkommen. Da brauche ich sicher keine aufregende Story, die mich durch die Gegend peitscht. Zwar hat runtastic auch hier vorgesorgt und für diese Zielgruppe zugeschnittene Märchen bereit gestellt. Ob es langfristig trägt, bleibt abzuwarten. Ich persönlich werde beim Sound of Nature oder meiner persönlichen Lieblingsmusik bleiben. Wer es dennoch mag..hier beschreibt Sammy Zimmermanns was ihn an den Story Runs begeistert: http://shape-blog.de/runtastic-story-running-traeger-der-wahrheit

Schreie in der Zielzone

Moosen am Simssee, Samstag 19.10.2013 um 16:38 Uhr. Vor guten zehn Minuten habe ich mich den berüchtigten “Eckinger Berg“ hochgequält. Dort hebt sich dass Alpenvorland auf kurzer Distanz vom Simssee ab und erzeugt so eine Steigung von fast 20%. Wie ich es schaffe, ein Lauftempo von unter sechs Minuten auf diesem Kilometer hinzulegen – ich weiß es nicht. Oder doch: es ist zum einen der gute Verlauf des Wettbewerbs bis hier her. Kein Kilometer hat mich mehr als fünf Minuten gekostet, in der Regel habe ich deutlich weniger benötigt. Zum anderen beflügelt mich die Hoffnung. Vor dem Lauf habe mir Chancen ausgerechnet, unter einer Stunde und 45 Minuten ins Ziel zu kommen. Das habe ich sicher erreicht. Jetzt treibt mir die Hoffnung, nahe an die Schallmauer von 1:40 heranzukommen, die Kraft in meine Waden. Der letzte Höhenmeter ist geschafft. Jetzt geht es leicht abschüssig ins Ziel. Meine Waden verkrampfen leicht. Trotzdem, ich schalte mein Hirn aus und setzte zum Endspurt an. Ein Mitläufer – gerade noch vor mir laufend – hatte sich auf einen gemütlichen Zieleinlauf eingestellt, als er von mir überholt wird. Ich weiss, dass es für mich jetzt auf jede Sekunde ankommt und gebe alles – und hechte mit lautem Gebrüll ins Ziel. Archaisch anmutend aber durchströmt von Endorphinen entsteht dieses Zielfoto.

Zielkamera der Tiger Timing

Wenn man überlegt, wie viel Zeit ein Läufer in die Vorbereitung eines Wettbewerbs investiert und wie viel man dafür arbeitet, immer noch ein wenig schneller zu werden – sich selber zu besiegen, dann ist die Freude verständlich angesichts eines gelungenen Laufes. Es ist nicht das “ich bin besser als die anderen“ sondern das “ich habe etwas erreicht“ was in einem Lauf so unmittelbar ausstrahlt.

Noch ein paar Worte zu den Rahmenbedingungen. Der Simssee Halbmarathon bietet tolle Voraussetzungen für einen hervorragenden Lauf. Dass Panorama ist einfach wunderbar, einige kleinere Steigungen und der Eckinger Berg bieten spannende Herausforderungen und die Organisation ist gelungen. In den Orten stehen viele Zuschauer und an Musik fehlt es nicht. Das Wetter ist zu dieser Jahreszeit meist genial, so dass man die Sicht auf Berge und den See entsprechend genießen kann.

Mit ca. 700 Teilnehmen, darunter so prominente wie die ehemalige Europameisterin Simone Mortier, ist die Veranstaltung inzwischen nicht mehr ganz klein. Zum Saisonabschluss sicherlich ein Höhepunkt.

Zu guter Letzt vergebe ich noch zwölf Punkte an die App, die mich begleitet hat. Die Messung war äußerst exakt und ich bin an jedem Kilometer sehr genau über meine aktuelle Rundenzeit informiert worden. Run.GPS hat tolle Arbeit geleistet.

endomondo Trainingspläne – ein Real Life Test

Im August kündigte endomondo sein neues Feature an: ein Trainingsplan, der auf den im Portal gespeicherten Werten basiert. Spannende Geschichte, dachte ich mir. Und habe gleich angefangen, danach für den Simssee Halbmarathon zu trainieren.

Um es vorwegzunehmen: Prognostizierte Zielzeit von endomono: 1:40:20, erreichte Zeit: 1:40:53.

Ein sehr gutes Ergebnis bedenkt man, dass die Strecke einige Steigungen enthält, die es in sich haben. Der „Eckinger Berg“ bietet so beispielsweise teilweise fast 20 % Steigung und bringt den geneigten Läufer auf fast einem Kilometer Länge knapp vor dem Ziel nochmal an seine Grenzen.

trainingspla_endomondo_simssee_hm

Ich habe den endomondo Trainingsplan relativ eng eingehalten. Sechs Trainingseinheiten werden als ausgefallen markiert: an diesen Tagen war ich sportlich mit anderen Mitteln unterwegs (Biken). Der elektronische Trainingsplan erlaubt es dann, das Training einfach als „durchgeführt“ zu deklarieren. Das ist sinnvoll bei einem Alternativtraining oder wenn einfach kein Gerät zum messen vorhanden war. Im Portal wird das prognostizierte Ergebnis immer an die aktuellen Leistungswerte des Läufers angepasst.

Sehr genial war vor allem auch die Möglichkeit des Imports. Die Trainingseinheiten, die ich nicht mit endomondo gemessen habe, konnte ich anschließend einfach importieren: sie wurden klaglos als Trainingseinheiten anerkannt. Großes Lob für diese Offenheit.

Die mit endomonodo durchgeführten Trainingseinheiten werden per Sprachunterstüztung durchgeführt. Eine grafische Abbildung verschafft einen Überblick darüber, was im Training geschieht: Tempointervalle, lange Läufe, kurze Sprints. Alles wir vorab in einer übersichtlichen Grafik sehr gut dargestellt. Die einzelnen Teile des Trainings (z.B. ein neues Intervall) werden durch einen Ton angekündigt, die Leistungswerte per Sprachansage durchgegeben.

Übersicht: grafische Darstellung einer Trainingseinheit.

Übersicht: grafische Darstellung einer Trainingseinheit.

Alles in allem hat der endomondo Trainingsplan mich immer wieder motiviert, mich an den Plan zu halten. Ich habe mit dem Ergebnis eine neue persönliche Bestzeit erreicht. Insgesamt kann ich das Training mit diesem Planer sehr empfehlen.