Alles eine Frage der Statistik – Trainingsstatistiken per App

Wie viele Kilometer bist Du letzte Woche gelaufen? So was hat man doch im Kopf…? Und wenn nicht, trägt man es mit sich herum. Die gängigen Apps rüsten im Bereich Datenauswertung nach. Das auf den zugehörigen Portalen alle Statistiken in gebotener Ausführlichkeit ausgewertet werden können ist nichts neues. Nun werden die wichtigsten Analysen aber mobil bereit gestellt. So kann der geneigte Läufer jederzeit seinen Stand abrufen: Tages-, Wochen- oder Monatskilometer, Gesamtdistanz oder auch Anzahl der Trainings – mit den neuen Statistiken bleibt keine Information mehr verborgen.

Bevor der Sinn des ganzen hinterfragt wird stellen wir uns zunächst die Frage: was gibt es da zu sehen. Im Vergleich hier die Auswertungen der drei meistgenutzten Produkte: endomondo, Runkeeper und Runtastic.

endomondo

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Animierte Grafik: das zeigt endomondo

endomondo hat mit dem Release der 9. Version laut auf den Putz gehauen und die Datenaggregation als die Neuheit schlechthin verkaufen wollen. Die Realität sieht leider sehr mau aus. Im Menü „Verlauf“ der App lassen sich die Angaben zu Distanz, Dauer, Energieverbrauch und Trainingshäufigkeit in verschiedenen Aggregationsstufen darstellen. Die Aggregationsstufen unterscheiden sich dabei zwischen den Betriebssystemen iOS und Android wobei Android mehr Möglichkeiten bietet. In den dargestellten Säulendiagrammen lassen sich die gewünschten Messwerte (also Distanz, Dauer, etc.) nach Tagen, Wochen oder Monaten zusammenfassen und für einen festen Zeitraum (Wochen, Monate oder Jahre) auswerten. In jedem Diagramm wird gleichzeitig der jeweils vorherige Zeitraum in zurückhaltendem Grau dargestellt (in einem Diagramm sieht man also beispielsweise grüne Säulen für die wochenweise gelaufenen Kilometer des aktuellen Monats und in leichtem Grau dahinter die Kilometer des Vormonats).

Die Möglichkeiten der Auswertung beschränken sich also auf fest vorgegebene Dimensionen für genau vier Leistungswerte. Damit läuft die vollmundige Ankündigung endomondos doch schwer ins Leere.

Runkeeper

Runkeeper besitzt bereits seit längerem die so genannten Insights. Diese sind Auswertungen über Leistungswerte in verschiedenen Aggregationsstufen. Die Zielrichtung ist allerdings eine ganz andere. Runkeeper will den Läufern mit seiner Übersicht tatsächliche Insights – also Einsichten – vermitteln. Es teilt die gelaufenen Strecken daher in (nicht beeinflussbare) Größenklassen auf und zeigt zunächst grafisch (in einem Kreisdiagramm) an, wie viel Prozent der Läufe in jeder Klasse absolviert werden. Der Clou daran ist, dass sich jede Größenklasse auswählen lässt und somit als Filter für die weiteren Diagramme dient. Mit einem Fingertipp auf das gewünschte Segment im Kreisdiagramm (z.B. Größenklasse 5-8 Kilometer) wird das Durchschnittstempo für die Läufe in dieser Klasse im Zeitverlauf angezeigt.

Zudem gibt es noch ein Säulendiagramm mit den gelaufenen Kilometern pro Monat für den ausgewählten Zeitraum. Auch dieses wird gefiltert, so das zu sehen ist, wie viele Kilometer pro Monat in der ausgewählten Größenklasse gelaufen wurden.

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Animierte Grafik: das zeigt runkeeper

Runtastic

Runtastic hat keine dezidierte Auswertung in seiner App. Die Power liegt hier weiterhin im Portal. Dort liegt auch die einzige Stärke der Anwendung Runtastic: die im Portal verfügbaren Auswertungsmöglichkeiten sind recht umfangreich. Einzig Runalyze übertrifft diesen Umfang.

Die App selber auf dem Gerät bietet vergleichsweise schmale Statistiken. In einer Übersicht lassen sich die gelaufenen Kilometer, die Gesamtdauer und der Energieverbrauch pro Monat für alle aufgezeichneten Monate anschauen. Das ist vergleichsweise wenig, aber möglicherweise ausreichend.

Was bringt’s?

Endomondo nimmt den Mund zu voll. Sicherlich ist es technisch eine Herausforderung, Datenaggregationen auf verschiedenen Stufen (Monate, Tage, Jahr) mobil in akzeptabler Wartezeit für den Anwender verfügbar zu machen. Diese Herausforderung hat der Hersteller gelöst. Leider ist dabei die Fachfrage auf der Strecke geblieben: was bringt’s? Was hat der Läufer davon, wenn er nun schnell seine Wochen oder Monatskilometer im Zeitverlauf vergleichen kann?

Da bietet runkeeper eindeutig mehr. Die Aufteilung der Trainings in verschiedene Größengruppen ist intelligent, Sie zeigt dem Läufer etwas, was er nur durch eine neuartige Zusammenfassung der Daten erfährt. Er oder Sie lernt, in welchen Distanzkategorien er am meisten unterwegs ist. Und Training bedeutet Variation: so bekommt der Anwender Hinweise, welche Streckenpotenziale er noch ausbauen kann. Zudem ist eine weitere Dimension eingebaut: mit Hilfe der Filterfunktion erfährt man, auf welchen Strecken man schneller und wo langsamer ist. Klar, die langen Strecken sind die langsameren. Aber möglicherweise lässt sich aus den kurzen Strecken noch mehr heraus holen? Oder die langen sind vergleichsweise immer noch zu schnell? Solche Fragen lassen sich mit runtastic Insights Ansatzweise beantworten. Somit ein hilfreicher Ansatz, der allerdings Lust auf mehr macht.

Richtig hilfreich über Trivialinformationen hinaus geht also nur runkeeper. Und auch da geht die Information nicht ausreichend in die Tiefe. Für eine ausführliche Trainingsanalyse aus der Trainingsfehler ermittelt werden können und mit der neue Potenziale ausgeschöpft werden können bedarf es deutlich mehr. Das Portal Runalyze z.B. bietet so etwas…allerdings nur am Desktop.

Aber das Ende der Entwicklung ist hier noch nicht erreicht. Wir sind gespannt, wer den nächsten Schritt macht.

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